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Porsche Times 02/17 - Porsche Zentrum Hofheim

der Inbegriff eines Sportwagens. Ein Auto mit 612 PS, das erfordert eine gewisse sittliche Reife, da man natürlich keine elektronischen Helferlein hatte, aber das war für mich, da ich im Wettbewerb auch auf elektronische Helferlein verzichten musste, der Traum überhaupt, so ein starkes Auto eben auf der Straße bewegen zu können. Anlässlich Ihres 70. Geburtstages hat das Porsche Museum Ihnen eine Ausstellung unter dem Motto „Genie auf Rädern“ gewidmet. Wie fühlt es sich an, durch die Räume zu gehen und das eigene Rennfahrerleben Revue passieren zu lassen? Ja, ich bin da eher ein Mensch, der da einen roten Kopf kriegt und sich ein bisschen schämt. Ich fühle mich nach wie vor wie ein ganz normaler Mensch. Da bin ich immer wieder verwundert, was so alles auf die Beine gestellt wird. Es ist natürlich schon irgendwie schön, dass die Leute realisiert haben, dass du irgendetwas Besonderes konntest, aber ich habe niemals daraus abgeleitet, dass ich etwas Besonderes bin. Aber trotzdem … ich werde immer wieder von Leuten drauf angesprochen und ich denke dann: Ja, wahrscheinlich hab’ ich schon etwas richtig gemacht im Leben. Eine Kurve auf dem Prüfgelände des Entwicklungszentrums Weissach trägt künftig Ihren Namen. Wie würden Sie diese Kurve beschreiben? Die Kurve ist eine schön dynamische Kurve, die bei einer Geschwindigkeit von 90, 100 geht, eine Kurve, in der man beide Fahrstile wunderbar praktizieren kann: Man kann einen sauberen Strich durchfahren, aber man kann auch querfahren, was ja früher für mich als Rallyefahrer mein tägliches Brot war. Es ist schon eine interessante Kurve, wo man Fahrzeugbeherrschung eben gut demonstrieren kann. Seit über 50 Jahren sind Sie ein leiden-schaftlicher Fahrer. Ändert sich die Einstellung zum Fahren mit dem Alter? Das Fahren auf öffentlichen Straßen, ja, das ändert sich mit dem Alter. Aber sobald ich auf einer abgesperrten Strecke bin, merke ich, dass ich immer noch genau diesen glei-chen Biss habe, wie ich ihn vor 50 Jahren hatte – die Freude und auch den Willen, es bestmöglich zu tun. Das habe ich nie verloren. Ich sage immer: Im Prinzip wäre ich alt genug, vernünftig zu werden, aber es klappt noch nicht. Sobald ich in einem gescheiten Auto – also in einem Porsche – sitze, habe ich immer noch den gleichen Spaß wie in meiner Jugend. Gibt es einen Porsche Traum, den Sie sich noch erfüllen möchten? Über die letzten zehn, fünfzehn Jahre habe ich versucht, dass ich von allen luftge-kühlten Porsche Modellen, die es gab – also 356, F-Modell, G-Modell, 964, 993 – eins besitze. Das habe ich im letzten Jahr geschafft. Momentan schwebt mir vor, mit einem davon gemütlich über die kleinen Straßen in Schottland zu fahren. Das ist ein Traum, den ich jetzt seit zwei Jahren mit mir herumtrage. Ich hab’ es jetzt ein paar Freunden erzählt, die haben mir verspro-chen, das jetzt ein bisschen zu organisieren. Denn das ist mein Schwachpunkt: Ich bin ein völlig unselbstständiger Mensch. Als Kind hatte ich meine Mutter, und später hatte ich einen Beifahrer, der mir alles abgenommen hat. Jetzt glaube ich, ich hab’ wieder ein paar Freunde gefunden, die das für mich machen, sodass wir das vielleicht nächstes Jahr über die Bühne bringen. „Im Prinzip wäre ich alt genug, vernünftig zu werden, aber es klappt noch nicht.“ Walter Röhrl PORSCHE AKTUELL 9


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